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Oktober 2017

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Auf ein Wort

Die neue Lutherbibel

Die Heilige Schrift – so bezeichnen wir die Bibel – ist Gottes Wort, durch Menschen weitererzählt
und durch die Hand der Menschen aufgeschrieben, über Jahrhunderte, über
mehrere Jahrtausende lang bewahrt.
Immer und zu jeder Zeit wurde die Bibel übersetzt und in die Sprachen der Leser übertragen.
Spätestens seit Martin Luther soll jeder Mensch selbstständig in der Bibel lesen können.
Im Jahr 1522 hat Luther in wenigen Wochen das gesamte Neue Testament auf der Wartburg
in die deutsche Sprache übersetzt. Später dann bis 1533 die gesamte Bibel, die
1534 erstmalig als sogenannte Vollbibel auf dem Buchmarkt erschien. Gedruckt wurde
diese Ausgabe bei Hans Lufft in Wittenberg. Freilich wissen wir, dass bei der Übersetzung
des Alten Testaments sein Freund, der Theologe Philipp Melanchthon, der das Hebräische
besser beherrschte als Luther, mitgeholfen hat. Die Spätschriften des Alten Testaments
(Apokryphen) haben weitgehend Luthers Mitarbeiter ins Deutsche übertragen.
Bis 1546 hat Luther ständig weiter an der Bibelübersetzung gearbeitet. Die Menschen in
Deutschland haben sich so die Bibel in ihrer eigenen Sprache als Kraftquelle für ihr Leben
erschließen können. Um lesen zu können, bedurfte es der Schulbildung, die ebenfalls
eine Frucht der Reformation ist.
Volksschulen im ganzen Land und Lehrer in jedem Dorf waren die Voraussetzung für die
Entwicklung, die Deutschland seitdem genommen hat. Eine breite wissenschaftliche Forschung
und viele technische Entwicklungen und Erfindungen sind letztlich Früchte der
Reformation, genauso wie Deutschland ein Land der Dichter und Denker geworden ist.
Mit der Forderung der Reformatoren, dass jeder lesen lernt, begann neben der Erneuerung
der Kirche auch eine ungeahnte Bildungsoffensive. – Zurück zur Lutherbibel: Bis
heute fasziniert ihre Sprachkraft und sie ist immer noch ein Bestseller!
Luthers Übersetzung hat unsere Sprache, die in ganz Deutschland verständlich ist, maßgeblich
gebildet und geprägt. Luthers Wortschöpfungen wie: Denkzettel, Machtwort,
Regenrinne, Beruf, geistreich, Fallstrick, Lückenbüser, Lockvogel, Gewissensbisse, Sicherheit,
Ebenbild, Morgenland, lichterloh, Ordnung, Bluthund, jemanden auf Händen tragen,
auf Sand bauen, recht und schlecht, ein Herz und eine Seele, die Zähne zusammenbeißen,
sind heute in unsere Sprache fest eingefügt.
Damit die Bibel kein Museumsstück wird, hat die Evangelische Kirche in Deutschland
seit dem 19. Jahrhundert diese mehrfach revidiert, zuletzt 1964 das Alte Testament und
1984 das Neue Testament. Seitdem hat es auch eine Reihe von neuen wissenschaftlichen
Auswertungen der historischen Bibelhandschriften gegeben. So entschloss sich die EKD
2010 im Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 die Bibel einer grundsätzlichen Durchsicht
zu unterziehen.
Seit dem 19. Oktober 2016 ist nun die „Lutherbibel 2017“ auf dem Markt und gilt ab jetzt
in der evangelischen Kirche in ganz Deutschland als die offizielle Bibelausgabe.
Die Grundlage für die Durchsicht war die letzte, zu Lebzeiten Luthers herausgegebene
Bibel von 1545, die Prüfung erfolgte anhand der überlieferten, hebräischen und griechischen
Texturkunden.
Auf sprachliche Modernisierungen wurde weitgehend verzichtet.
Der Vertrautheit zentraler Bibeltexte wurde besondere Beachtung geschenkt.
Lassen Sie sich also neugierig machen auf die alte neue Lutherübersetzung der Heiligen
Schrift. Am 31. Oktober nehmen wir im Reformationsgottesdienst die neue Bibel
in Gebrauch. Der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm,
schreibt: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Bibel Worte und Erzählungen finden, die Sie
anziehen, die Ihre Neugier wecken und Ihnen hilfreich sind zum Leben.“